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Projekt "I S A"

(Internacional Sociedad de la Amistad)

Vom 6. März 2002 bis zum 13. Februar 2003 hielt ich, Isabella Jarosch, mich als freiwillige Mitarbeiterin im Sanatorio San Lucas in Raùl Peña, Alto Paraná in Paraguay auf. Von Beruf bin ich Hebamme. Ein Jahr nach meinem Examen machte ich mich, losgelöst von der Ulmer Universitätsfrauenklinik, auf in die weite Welt. Ich suchte die Armut und eine Berufstätigkeit ohne den technischen Luxus, den unsere Medizin in Deutschland zu bieten hatte.

Ich wollte lernen, mit meinem Verstand, meinem Herzen und meinen Händen auszukommen, auf diese Weise anderen Menschen, den Armen, zu helfen. Für Kost und Logis fand ich meinen Platz in einer brasilianischen Kolonie in Paraguay, bei einer deutschabstämmigen Hebamme (Siria Lavall), die ein kleines Krankenhaus (Sanatorio San Lucas) etwa 8 Jahre zuvor mit finanzieller Hilfe aus Baden-Württemberg aufgebaut hatte und mit einem bolivianischen Arzt (Dr. Miguel A. Sánchez) zusammenarbeitet.

 

Rückblickend bin ich sehr zufrieden mit meiner damaligen Entscheidung, in einem fernen, armen Land zu arbeiten und neue berufliche Herausforderungen zu suchen. Die Suche war erfolg- und für mich persönlich sehr lehrreich.
Die Armut ist ein sehr komplexes Thema, das mich voll und ganz ergriffen hatte. Erschüttert von der harten Realität, benötigte ich einige Zeit, um dieses vielschichtige Thema in mein persönliches Weltbild einzuordnen und meinen Platz dabei zu finden. Es schien mir unmöglich nach meinem Auslandsaufenthalt einfach so mein vorheriges Leben wieder aufzunehmen, in dem Luxus der 1. Welt.

Nichts desto trotz musste ich mich zunächst damit abfinden. Erst ein halbes Jahr später - Zufall oder nicht - entwickelten wir, die ärzte des Sanatorio San Lucas (der bolivianische Arzt und ein paraguayischer Laborarzt), die Hebamme und ich ein Projekt, das den armen Menschen einen Weg aus dem Teufelskreis der Armut ebnen soll.

Das Projekt "I S A" wurde speziell für die Siedlung Mariscal Estigarribia im Alto Paraná, Paraguay entwickelt.

Die ärzte des Sanatorio San Lucas haben mit ihrer Doktorarbeit über Parasiten beim Menschen wissenschaftlich belegt, dass knapp 80% der Bevölkerung dieser Siedlung mit Parasiten, sprich Würmern befallen sind. Würmer ernähren sich im Wirt "Mensch" hervorragend und verursachen bei diesem eine belastende Blutarmut, eine Unterernährung und letztendlich auch einen Kretinismus (körperliche und geistige Unterentwicklung). Diese Faktoren nähren den Teufelskreis der Armut in perfekter Weise. Die Menschen sind "faul, dumm und deshalb arm".

Doch statt zu urteilen, sollte man sich lieber fragen, WARUM das so ist!

Die Campesinos (= Kleinbauern) in Mariscal Estigarribia, Paraguay wohnen in Bretterhütten, teilweise ohne Strom, holen sich ihr Trinkwasser vom Brunnen, benutzen für ihre Notdurft ein Plumpsklo (wenn überhaupt!) und waschen ihre Wäsche am Fluss. Für viele Campesinos geht es ums nackte überleben. Die Campesinos sind arm und das, obwohl sie auf einem sehr fruchtbaren Land leben!

 

Allein diese Tatsache hat mich persönlich betroffen und sehr traurig gemacht. Ich habe die Campesinos kennen gelernt, habe ihre Lebensweise betrachtet, mich geärgert und doch habe ich diese Menschen bewundert, weil sie es schaffen, unter diesen Umständen zu leben, ja zu überleben.

 

Ich habe mich immer wieder gefragt, warum sie nicht mehr aus dem machen, was sie haben! Was jedoch für uns Europäer eher schwer zu verstehen ist, für diese Menschen ist es harte Realität. Sie wissen es schlicht und einfach nicht, wie sie es anpacken können und was sie eigentlich aus ihrem Leben machen könnten. Der Bildungsmangel ist unvorstellbar groß!

Paraguay ist neben Bolivien das einzige Binnenland Südamerikas. Die Bevölkerung von knapp 6 Millionen Einwohnern verteilt sich auf einer Fläche von 406.752 km² (Deutschland hat eine Bevölkerung von 81 Millionen Einwohnern mit einer Fläche von 357.112 km²). Die Hälfte der Bevölkerung Paraguays` lebt in Armut, von denen sich 30% in extremer Armut befinden. 8% der Menschen können weder schreiben noch lesen, wobei ich da die Dunkelziffer gar nicht kennen möchte!

 

Die Wirtschaft ernährt sich neben dem paraguayisch-brasilianischem Gemeinschaftsprojekt des Itaipú-Wasserkraftwerks und dem Export von Billigstrom hauptsächlich durch die Landwirtschaft mit dem Export von Sojabohnen, ölsaaten, Baumwolle, Fleisch, Holz und Pflanzenöl. Problem hierbei ist die landwirtschaftliche Monokultur!!!

 

Noch immer leidet Paraguay unter der unzureichenden Verkehrserschließung (29.320 km Strassen, davon sind 2.930 km asphaltiert), dem Mangel an Rohstoffen und ausgebildeten Arbeitskräften, fehlendem Kapital sowie dem schwach entwickelten Binnenmarkt. Deshalb wurde die Förderung exportorientierter Produktionszweige zum Hauptziel der Wirtschaftspolitik, begleitet von umfangreichen staatlichen Maßnahmen, wie z.B. Steuer- und Zollvergünstigungen, durch die multinationale Konzerne sowie private ausländische Investoren ins Land gelockt wurden. So entstanden neben mehreren industriellen Anlagen für die Be- und Verarbeitung land-, vieh- und forstwirtschaftlicher Erzeugnisse neue Privat- Latifundien sowie rund 600 deutsche, japanische und brasilianische "landwirtschaftliche Kolonien". Dadurch erfuhr Paraguay seit dem Amtsantritt Stroessners` (45 Jahre Präsident + Diktator) eine Phase langsamer, aber stetiger wirtschaftlicher Aufwärtsentwicklung.

Aber wer bezahlt den Preis des Fortschritts?

   

Es sind zunächst die armen Menschen vor Ort! Jene große Mehrheit, die am Rande des Existenzminimums leben. Später leidet die ökologie unter der landwirtschaftlichen Monokultur und damit als Folge schließlich die gesamte Weltbevölkerung!

Das Ziel des Projekts "I S A" ist die Unterbrechung des dort herrschenden Teufelskreis` der Armut. Wir möchten durch Hilfe zur Selbsthilfe dem Bildungsmangel entgegen wirken, somit die Unterernährung bekämpfen, die Lebensverhältnisse verbessern, die Parasiten eindämmen, die Familie in der Gemeinschaft festigen und die Vielfalt im landwirtschaftlichen Anbaubereich aufrechterhalten, bzw. wiederbeleben.

Wie können diese Ziele umgesetzt werden?

Verbesserung der Lebenswürde durch Bau und Optimierung von Ver- und Entsorgungsanlagen des Wassers, Einführung und praktische Umsetzung hauswirtschaftlicher Grundregeln zur Verbesserung der Hygiene, optimale Nutzung der landwirtschaftlichen Gegebenheiten zur finanziellen Unabhängigkeit. All dies wird durch Vermittlung von Wissen, samt deren praktischer Umsetzung durch Helfer aus den unterschiedlichsten Berufsgruppen durchgeführt.

Sehr wichtig war uns von Anfang an, dass die Menschen spüren: wir Menschen sind alle gleich! Niemand ist besser oder schlechter als der oder die andere (in Südamerika dominiert der Machismus noch SEHR!), aber auch egal welcher Religion der Mensch angehört oder welcher politischen Partei - WIR SIND ALLE GLEICH!!! Somit stärken wir auch die Gemeinschaft durch gegenseitige Zusammenarbeit und wirken der Landflucht entgegen.

   

Die Gründung des gemeinnützigen Vereins "Campesino Hilfe e.V." 2003 in Süddeutschland verfolgt ausschließlich das Ziel, das Projekt "I S A" in der Siedlung Mariscal Estigarribia, Alto Paraná in Paraguay finanziell und ideell zu unterstützen. Die Mitgliedsbeiträge und Spenden sind für die Umsetzung des Projekts "I S A" bestimmt. Ich selbst, Vorsitzende des Vereins halte Vorträge, um das Projekt in Ulm und Umgebung bekannt zu machen und um Spendengelder zu sammeln.

Lesen Sie bei Interesse einfach im ersten Teilprojekt "baños" weiter wie wir unsere Arbeit mit den Campesinos begonnen haben, oder in weiteren Teilprojekten wie "Medizinische Versorgung" oder "LKW" welch positive Entwicklungen stattgefunden habt und vieles mehr.

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