Campesino Hilfe e.V.
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Ausgabe Nr. 1 - Juni 2008

Campesino - Nachrichten aus Scharenstetten und Mariscal Estigarribia

Unsere Campesino - Nachrichten starten heute mit dieser ersten Ausgabe. Es sollen Informationen und Neuigkeiten für alle Mitglieder von und über die Arbeit des Vereins „Campesino Hilfe e.V.” in Deutschland und Paraguay sein. Dies haben wir bei der Mitgliederversammlung Anfang April in Scharenstetten versprochen. Aus etlichen hilfreichen und netten Hinweisen haben wir erfahren, dass unter den Mitgliedern ein Wissensdefizit besteht, das wir gerne beheben wollen. Schließlich geben Sie Ihr Geld und Ihren Idealismus für die Verwirklichung der Ziele unseres Vereins. Da haben Sie auch das Recht zu erfahren, was mit diesem Geld in Paraguay im Einzelnen gemacht wird.

Von unserer Vorsitzenden Isabella Jarosch haben wir bei der 5. Hauptversammlung mit einem informativen Bilder- und Wortvortrag erfahren, dass die Unterstützung der Campesinos in der Siedlung Mariscal Estigarribia im Alto Parana äußerst erfreuliche und sehr gute Fortschritte macht. Ein gutes Beispiel ist das auf dem Foto zu sehende Lagergebäude der Campesinos, das mit den Geldern unseres Vereins von den Campesinos selber gebaut wurde. Dieses Gebäude soll einmal verschiedene Funktionen erfüllen. In erster Linie ist es das Lagerhaus für die Lagerung der Ka’a he’ê - Ernten. Außerdem wird das Gebäude als Treffpunkt von den Campesinos genutzt.

Bei der 5. Hauptversammlung hat unsere Vorsitzende Isabella Jarosch berichtet, dass die Campagne für den Bau von Nasszellen abgeschlossen wurde. Mit diesem ersten Teilprojekt haben wir insgesamt 30 Familien unterstützt. Mit Geldern des Vereins wurden die Materialien für den Bau der WC-Anlagen mit Dusch- und Waschmöglichkeiten gekauft. Für jede Familie wurden cirka 200 Euro aufgewendet. Dieses Vorhaben wurde von den Campesinos am Anfang sehr kritisch beobachtet, weil schon zu viele Hilfen versprochen wurden und nie angekommen sind. Dieses Mal war es aber anders. Als die ersten Baumaterialien eintrafen, waren die Beweise für die Hilfe nicht mehr zu übersehen. Wichtig war uns dabei immer, dass die Campesinos ihre Duschen und Toiletten selber errichten mussten - sozusagen in organisierter Nachbarschaftshilfe. Wie heute zu sehen ist, haben wir unser oberstes Ziel „;Hilfe zur Selbsthilfe zu geben„; mit diesem Teilprojekt voll erreicht. Die Ergebnisse sind in der Siedlung wunderbar anzuschauen. Alle geförderten Haushalte haben sich verändert; sie machen jetzt irgendwie einen sauberen und aufgeräumten Eindruck.

Deutlich spürt man auch, dass die Campesinos ganz stolz sind, dass sie jetzt diese sanitäre Einrichtung im oder neben ihrem Bretterhaus haben dürfen. Von den hygienischen und gesundheitlichen Vorteilen ganz zu schweigen. Natürlich sind die Campesinos auch stolz, dass sie von einem Verein aus „Deitschland” unterstützt werden. Wichtig dabei ist, dass dieser Verein nicht nur Geld verteilt, sondern dass Unterstützer und Experten vor Ort konkrete Hilfe und Hilfestellung geben. An dieser Stelle ganz herzlichen Dank an Siria Lavall, Dr. Miguel Sanchez und Isabella Jarosch für die guten Ideen, deren Umsetzung und die Ausdauer bei der Verwirklichung des Teilprojekts.

Nach diesem erfolgreichen Teilprojekt brauchte der Vereinsvorstand nicht lange nachzudenken, was in Mariscal Estigarribia noch zu tun ist. Die Campesinos selber und die Koordinatoren vor Ort haben sich schnell mit der Idee mit den ka’a he’ê - Plantagen an den Vereinsvorstand gewandt. Stevia oder Ka’a he’ê ist eine Süßungspflanze, die in Südamerika und in asiatischen Ländern gerne als Zuckerersatz verwendet wird. In Deutschland ist Stevia als Zuckerersatz oder als Lebensmittel nicht zugelassen. Dass Stevia als Süßungsmittel sehr viel effektiver als Zucker ist, lässt ahnen, warum das in Deutschland so ist.

Für Paraguay ist Ka’a he’ê ein ganz normales Produkt aus der Landwirtschaft, das auch zu einem Süßungsmittel verarbeitet wird. Exporte in europäische Länder sind im Zeitalter der Bio-Lebensmittel jetzt ebenfalls vorhanden. In asiatischen Ländern (z.B. Japan) wird die Pflanze ebenfalls verarbeitet und in vielen Haushalten verwendet.

Der Blick auf eine Ka’a he’ê - Plantage im Alto Parana: die Pflanze wird einfach in die fruchtbare rote Erde Paraguays gesetzt und kann im Jahr bis zu drei Mal geerntet werden. Die Pflanze wird einfach abgeschnitten und wächst dann nach. Eine Pflanze kann bis zu drei Jahre genutzt werden. Dann muss sie durch einen neuen Setzling ersetzt werden.

Für die Campesinos sind die Ka’a he’ê - Plantagen eine gute und relativ sichere Einkommensquelle, zumal sie über eigenen Landbesitz verfügen und das Klima in Paraguay diese Pflanze gut gedeihen lässt. Mit diesem Projekt sorgen wir für eine relativ sichere Einkommensquelle für die Campesinos, und damit verhindern wir die Abwanderung der Campesinos von ihrem Heimatort in Großstädte und Slums.

Zum Start des Projektes war das größte Problem mal wieder das liebe Geld; in diesem Fall das Startkapital, das für die ersten Jungpflanzen (rund 10.000 Stück) benötigt wurde. Aber nachdem wir geklärt haben, dass diese Gelder vom Verein kommen werden, waren unter den Campesinos in Mariscal Estigarribia auch schnell die ersten „Freiwilligen” gefunden, die eine Plantage anlegen wollten. Nach einigen Rückschlägen sind inzwischen mehrere Ernten gelaufen und die Erträge können sich wirklich sehen lassen. Aber Vorsicht mit Geld! Das beflügelt auch in Südamerika die Phantasien der Menschen. Deshalb hat sich inzwischen eine „Asociacion” der Campesinos (das ist eine kleine Genossenschaft) gebildet, die den Zweck erfüllt, die gesamte Ernte als Ganzes zu vermarkten und die Erlöse zu verwalten. Größere Mengen (cirka 1.500 Kilogramm je Ernte) bringen halt auch in Südamerika bessere Erlöse. Zum Chef dieser Genossenschaft ist inzwischen Lucio gewählt worden. Inzwischen wurde auch in Asuncion ein neuer Abnehmer für die Ernten gefunden. Die Firmenvertreter sind von der organisierten Arbeit der Campesinos in Mariscal Estigarribia sehr angetan. So etwas sei doch nicht normal für Paraguay, hieß es bei einem Ortstermin aus profundem Munde.

Diese Ernte wurde am 17. März 2008 fotografiert. Lucio hat seine Ka’a he’ê - Plantage am Morgen geschnitten und die Pflanzen zum Trocknen auf einer Folie ausgelegt. Noch am gleichen Tag ist die Ernte bei 30 Grad so getrocknet, so dass er die Blätter von den Stielen abschütteln kann. übrigens: die Dame mit dem Strohhut in der Mitte der Gruppe ist Siria Lavall, unsere Managerin vor Ort.

Die Reiseteilnehmer der vierköpfigen Gruppe soll an dieser Stelle auch vorgesellt werden. Es handelt sich um Annegret Jarosch, ihre Schwester Evi Buschko, Marcel Jarosch und um Herbert Jarosch. übrigens ganz herzlichen Dank an Evi Buschko und den Frauenkreis aus Berghülen, die für die Campesinos 150 Euro gespendet haben. Das Geld wurde von Evi Buschko persönlich an Siria Lavall übergeben.

Dieses kleine Beispiel zeigt, dass ihre und unsere Gelder ohne Zwischenstationen direkt bei den Campesinos in Mariscal Estigarribia ankommen. Kein Cent geht auf dem Weg von Deutschland nach Paraguay verloren.

Bei der 5. Hauptversammlung der Campesino Hilfe e.V. wurde auch ein Schaubild des Netzwerks vorgestellt, welches die Verbindungen unseres Vereins in Deutschland zu den Campesinos in Mariscal Estigarribia verdeutlichen soll. Der Verein hat mit den Kooperationspartnern Dr. Miguel Sanchez und Siria Lavall eine Vereinbarung zur Verwendung der Vereinsmittel abgeschlossen.



Zum Schluss noch einige wichtige Hinweise in eigener Sache:

Unser Verein hat momentan 58 Mitglieder. Herzlichen Dank für das Vertrauen. Neue Mitglieder sind uns herzlich willkommen. Fotos und weitere Informationen können auf unserer Webseite www.campesino.org angesehen werden. Unser Spendenkonto: Nr. 210 148 24 bei der Sparkasse Ulm, BLZ 630 500 00. Bei Bedarf wird gerne eine Spendenbescheinigung ausgestellt. Dies muss aber unbedingt der 1. Vorsitzenden, Isabella Jarosch mitgeteilt werden.

Die Campesino-Nachrichten erscheinen voraussichtlich zwei Mal im Jahr. Die Vervielfältigung und Weitergabe ist erwünscht und muss vom Autor nicht genehmigt werden. Kritik und Anregungen nimmt der Autor gerne entgegen. Der Versand erfolgt entweder per e-Mail oder per Post. Wer die Campesino-Nachrichten auch auf dem elektronischen Weg erhalten möchte, wende sich bitte an info@campesino.org.

Geplante Termine 2008
Vortrag im August oder September 2008
Allerweltsnachmittag in Ulm am 3. Advent

Autor und verantwortlich im Sinne des Pressegesetzes:
Herbert Jarosch, 2. Vorsitzender
Wacholderweg 12, 89160 Scharenstetten

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